• Kirche wird, wenn Kerzen mehr als nur Licht spenden

    Kirche wird, wenn Kerzen mehr als nur Licht spenden

    Spruch aus dem Projekt 18 Jahre Firmweg18

Papst Franziskus und Vertreter anderer Religionen beten am 25. Januar 2025 am Grab von Sankt Paul beim ökumenischen Gottesdienst zum Abschluss der 58. Gebetswoche für die Einheit der Christen in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom. Bild: KNA

Gebetswoche für die Einheit der Christen 2026

Jedes Jahr im Januar sind Christinnen und Christen aller Konfessionen weltweit eingeladen, gemeinsam für die Einheit der Kirche zu beten. Dafür hat sich die Gebetswoche für die Einheit der Christen eingebürgert, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen und dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen in Rom koordiniert wird. In diesem Jahr steht die Gebetswoche unter dem paulinischen Leitwort «Ein Leib und ein Geist – wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung» (Eph 4,4).

Ein Leib und ein Geist – diese Worte aus dem Epheserbrief erinnern Christinnen und Christen weltweit daran, dass sie bereits im Hier und Heute durch unsichtbare Bande geistlicher Gemeinschaft miteinander verbunden sind: Sie gehören zu einem Leib, dem Leib Christi, sie sind getragen von demselben Geist und verbunden durch eine gemeinsame Hoffnung.

Zwischen gelebter Einheit und kirchlicher Trennung

In Christus sind wir also bereits geeint, im Alltag leben wir aber faktisch getrennt. Jede und jeder lebt das eigene Christsein in seiner angestammten Konfession. In Nidwalden sind dies vor allem die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirche. Die sichtbare Einheit, deren Ziel alle Einheitsbemühungen sind, steht noch aus. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Konfessionen oftmals wenig rühmlich miteinander umgegangen sind. Individuen wie auch Kollektive haben sich über Jahrhunderte hinweg gegenseitig bekämpft und einander das wahre Christensein abgesprochen. Selbst kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Völkern wurden nicht selten auch durch konfessionelle Wahrheitsansprüche mitgeprägt.

Vielfalt als Reichtum, nicht als Hindernis

Jede Konfession zeichnet verschiedene Traditionen und Frömmigkeitsformen aus und ist auf je eigene Weise kirchlich geprägt. Vielfalt ist kein Hindernis auf dem Weg zur angestrebten sichtbaren Einheit der Christen, sondern vielmehr Reichtum und Chance. Die Gebetswoche lädt deshalb auch in diesem Jahr dazu ein, die Besonderheiten und Ausprägungen der eigenen Konfession neu zu entdecken. Zugleich weitet sie den Blick über den eigenen konfessionellen Tellerrand hinaus hin zu anderen Konfessionen. Voneinander können wir lernen und gemeinsam können wir immer tiefer in Christus hineinwachsen.

Impulse aus einer alten Kirche

Die Materialien zur Gebetswoche stammen in diesem Jahr aus dem geistlichen Zentrum der Armenisch-Apostolischen Kirche in Etschmiadsin. Sie wurden im Zusammenhang mit der Wiedereinweihung der Mutterkathedrale im Jahr 2024 erarbeitet. Die Texte schöpfen aus einer über 1700-jährigen Gebets- und Glaubenstradition mit Hymnen und Liturgien, die teilweise bis ins 4. Jahrhundert zurückreichen. Der ökumenische Gottesdienst steht unter dem Titel „Licht vom Licht als Licht“ und greift ein Gebet des heiligen Nerses des Gnädigen († 1173) auf. Christus, das Licht, wird dabei als Einladung verstanden, dieses Licht weiterzugeben in Geduld, Versöhnung und Frieden. Die acht Bibelmeditationen für die acht Tage der Gebetswoche folgen dem Anfang des vierten Kapitels des Epheserbriefs und laden zur betenden Reflexion über die Berufung als Christ ein.

Hoffnung, die ins Handeln führt

In einer Welt, die von Spaltungen, Konflikten und Unsicherheiten geprägt ist, erhält das paulinische Leitwort besondere Aktualität. Die «eine Hoffnung», von der der Apostel spricht, richtet sich nicht nur auf das zukünftige Heil, sondern prägt bereits das heutige Handeln. Sie ermutigt dazu, Brücken zu bauen, Versöhnung zu suchen und gemeinsam für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

Gian-Andrea Aepli

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen findet vom 18.–25. Januar 2026 statt. In vielen Kirchen und Gemeinschaften, so auch im Kanton Nidwalden, wird sie mit ökumenischen Gottesdiensten und Veranstaltungen begangen.