Hirtenwort zur Fastenzeit 2026 von Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur
Frieden ist keine Utopie
Im Hirtenwort zur Fastenzeit 2026 richtet sich Joseph Maria Bonnemain mit einem eindringlichen geistlichen Impuls an die Gläubigen des Bistums Chur. Ausgehend von den biblischen Texten des ersten Fastensonntags (Gen 2,7–9; 3,1–7 / Röm 5,12–19 / Mt 4,1–11) entfaltet er eine klare Botschaft: Frieden ist kein fernes Ideal, er beginnt im Herzen des Menschen und will im Alltag gelebt werden.
In seinem Schreiben ruft der Bischof dazu auf, Machtdenken, Angstlogik und religiöse Rechtfertigungen von Gewalt zu überwinden und den Frieden als gelebte Wirklichkeit neu einzuüben. Ausgehend von der Versuchung Jesu in der Wüste zeigt er auf, wie Machtansprüche, Selbstüberhöhung und ideologische Lügen auch heute Gesellschaften vergiften und zu Unfrieden, Krieg und Ungerechtigkeit führen.
Joseph Maria Bonnemain greift dabei Gedanken aus der Friedensbotschaft von Papst Leo XIV. auf und warnt vor einer politischen Logik, die auf Abschreckung, Angst und Aufrüstung setzt. Wenn Sicherheit nur noch durch Stärke und militärische Überlegenheit gedacht wird, verliere der Friede seine moralische Grundlage. Recht, Gerechtigkeit und Vertrauen können nach seiner Überzeugung nur wachsen, wenn der Mensch sich nicht als Besitzer der Welt versteht, sondern als verantwortlicher Verwalter der Schöpfung und der Mitmenschen.
Besonders eindringlich mahnt der Bischof, dass auch Religion missbraucht werden kann, etwa wenn Worte des Glaubens zu Waffen werden, Nationalismus verherrlicht oder Gewalt religiös gerechtfertigt wird. Gläubige seien deshalb aufgerufen, solchen Entwicklungen aktiv entgegenzutreten: durch ihre Lebensweise, durch Gebet, Dialog und eine Spiritualität des Friedens.
Joseph Maria Bonnemain wirbt für Gemeinden als „Häuser des Friedens“ – Orte, an denen Konflikte durch Gespräch entschärft, Gerechtigkeit gelebt und Vergebung eingeübt wird. Frieden sei keine Utopie, sondern eine konkrete Aufgabe des Alltags.
Gleichzeitig lenkt er den Blick nach innen: Frieden beginne nicht nur in der Weltpolitik, sondern im eigenen Herzen. In jedem Menschen stecke die Versuchung zur Selbstverherrlichung, manchmal sogar ein „kleiner Tyrann“. Die Fastenzeit sei deshalb eine Einladung zur Umkehr, zur Besinnung und zur Öffnung für Gott und den Nächsten.
Gian-Andrea Aepli
So werde aus innerer Erneuerung ein Frieden, der Kreise zieht – von der Person zur Gemeinschaft und darüber hinaus.
Das Hirtenwort wird am 1. Fastensonntag, dem 22. Februar 2026 in den Gottesdiensten verlesen. Es kann hier heruntergeladen werden. Link Hirtenwort Fastenzeit 2026